Anleitung zum Betrug

 
 

Für einen Mann, der die meiste Zeit des Jahres in seiner Villa im fernen Thailand lebt, war der Fuhrpark von Wolfgang Ullrich, 57, im heimischen Ziemetshausen nahe Augsburg außergewöhnlich gut bestückt.


Neben einem Mercedes SL 500 Roadster (Listenpreis 177 000 Mark), einem 600er SEL (206 000 Mark) und einem alten 300er, dem legendären "Adenauer", standen ein Porsche 911 SC sowie ein Rolls-Royce Corniche (685 000 Mark) zur Ausfahrt bereit. Als Perle des Karossenschatzes aber glänzte ein roter Ferrari: ein tiefer gelegter F40 in Rennversion ­ Liebhaberpreis mindestens 600 000 Mark. Den holte der Hausherr nur bei besonderem Anlass aus der Garage.


Die Freude an seiner Fahrzeugflotte ist Ullrich inzwischen vergangen. Dem gelernten Werkzeugmacher, der auch gern mit schönen, vor allem jungen Frauen posierte und mit seinem Vermögen prahlte ("Ich bin ein reicher Mann"), hat der Fiskus alle Autos in Deutschland gepfändet. Er selbst sitzt in Untersuchungshaft.


Von diesem Montag an steht Ullrich im Mittelpunkt eines spektakulären Prozesses. Vor dem Landgericht München II beginnt eines des größten Verfahren wegen mutmaßlichen Spendenbetrugs, das es in der Bundesrepublik je gegeben hat. In mehr als anderthalb Millionen Fällen soll Ullrich die gutgläubigen Mitglieder von zwei großen Vereinen, des Deutschen Tierhilfswerks (DTHW) sowie des Europäischen Tierhilfswerks (ETHW), hintergangen und sich dabei um schier unglaubliche Summen bereichert haben.


Mit den beiden Mitangeklagten Eduard Baumann, 52, und Udo-Bernhard Lischka, 58, habe sich Ullrich hinter der Fassade einer vermeintlich karitativen Organisation zu einer kriminellen Vereinigung zusammengeschlossen, wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor. Über ein Gewirr von in- und ausländischen Firmen, Vereinen und einer Stiftung hätten die drei es geschafft, allein zwischen 1994 und 1999 mehr als 76 Millionen Mark aus dem Vermögen von DTHW und ETHW "auf private Konten in der Schweiz abzuzweigen".


Der Großteil, "mindestens 70 Millionen Mark", soll bei Ullrich gelandet sein. Bei Baumann vermutet die Staatsanwaltschaft wenigstens fünf Millionen, bei Lischka 1,4 Millionen Mark.


Bevor er das große Rad zu drehen begann, hatte Ullrich ganz klein angefangen ­ als Buchclub-Werber für Bertelsmann. Anfang der siebziger Jahre zog er durch die Fußgängerzonen und arbeitete sich dabei schnell zum Chef einer "Drückerkolonne" hoch. Gleichzeitig ging Ullrich in Münchner CSU-Kreisen ein und aus. Für den "Bayernkurier" warb er Abos, für die Partei seines Idols Franz Josef Strauß Spenden ­ gegen hohe Provision. "Das war meine schönste Zeit", erzählt Ullrich noch heute.


Mitte der achtziger Jahre entdeckte Ullrich, dass sich mit der Tierliebe von Menschen gute Geschäfte machen ließen. 1984 war in München ein Verein namens "Garten Eden" gegründet worden, der sich ein Jahr später in "Deutsches Tierhilfswerk" umbenannte. Zur Vorsitzenden wählten die rund 800 Mitglieder Ullrichs Mutter Eva Frank.


Schon bald trug "Garten Eden" für Ullrich reiche Frucht: Eine seiner Firmen ging mit ihren Kolonnen auf Mitgliederfang für den Verein und kassierte dafür anfangs knapp ein Drittel der so geworbenen Beiträge. Obwohl Ullrich zunächst keine offizielle Funktion in dem angeblich wohltätigen DTHW übernahm, "beherrschte" er den Ermittlungen zufolge "spätestens seit Oktober 1985 den Verein faktisch" ­ und bescherte vor allem sich selbst.


Den Vorsitz im DTHW übernahm Ullrich 1994. Lischka, bis dahin Steuerberater des Vereins, wurde sein Stellvertreter. Beim "Schwesterverein" ETHW, 1989 gegründet, stand Ullrich gleich zu Beginn an der Spitze. Baumann fungierte dort als Vize (ab 1994), Lischka als Schatzmeister (ab 1995).


Die wichtigen Führungspositionen hatte das Trio somit unter sich aufgeteilt. Weil Ullrich aber schon damals lieber im thailändischen Pattaya ausspannte und Deutschland nur noch sporadisch besuchte, musste Baumann – der wegen Betrugs vorbestraft ist – die Rolle als "rechte  Hand"  (Staatsanwaltschaft) Ullrichs übernehmen und dessen Geschäfte in der Heimat abwickeln.


Schon gleich nach dem Amtsantritt als DTHW-Chef baute Ullrich dort wie auch beim ETHW sein bei Bertelsmann und der CSU erprobtes Geschäftsmodell massiv aus. Drückerkolonnen zogen mit Spendenbüchsen und Mitgliedsanträgen über Land, um Passanten in Fußgängerzonen vorwurfsvoll zu fragen: "Haben Sie gar kein Mitleid mit gequälten Tieren?"


Die aggressive Werbung zahlte sich aus. Beim DTHW verdoppelten sich die Mitglieder zwischen 1994 und 1999 auf 294 000, beim ETHW schnellte die Zahl im selben Zeitraum von 36 000 auf 82 000 hoch. Die Einnahmen erreichten jedes Jahr neue Rekordhöhen. 1998 kassierte das DTHW 34 Millionen Mark, das ETHW 11 Millionen.


Zugleich spülte, so die Ermittlungen, jedes neue Mitglied auch dem "König von Pattaya" (Ullrich über Ullrich) kräftig Geld in die Kasse. Denn die Bande zwischen den beiden Ullrich-Vereinen und den Ullrich-Firmen waren fest geschlossen.


Die Drücker etwa erhielten ihre Aufträge laut Staatsanwaltschaft von der "Mitgliederwerbung und Öffentlichkeitsarbeit Wolfgang Ullrich GmbH". Die "Wolfgang Ullrich Organisationsgesellschaft mbH" habe dann die Daten der Neu-Mitglieder erfasst. Für etliche dieser Dienste seien "weit überhöhte Preise bezahlt" worden.


"Nur sieben Prozent der Gelder wurden tatsächlich für den Tierschutz eingesetzt"


Zwischengeschaltet hatte Ullrich noch eine Briefkastenfirma sowie eine Stiftung in der Schweiz. Die Chartex AG in Hergiswil erhielt vom DTHW den Ermittlungen zufolge für jedes neue Mitglied eine "Provision" von 49,5 Prozent des ersten Jahresbeitrags, in jedem Folgejahr 36,5 Prozent, die sie zum Teil an die Drückerunternehmen weiterreichte. Eigentümer der Chartex sei Ullrich, einziger Verwaltungsrat seit 1993 sei Baumann gewesen.


Das ETHW wiederum habe, so die Staatsanwaltschaft, "nahezu 100 Prozent" seiner Einnahmen an eine in Zürich ansässige "Stiftung ETHW" überwiesen. Die Stiftung, von Ullrich gegründet und als Präsident auch geführt, habe ebenfalls wiederum nur einen Teil der Vereinsbeiträge an die Werber abgegeben.


Welch verschlungene Wege das eingeworbene Geld der Mitglieder auch nahm ­ am Ende landete es nach Überzeugung der Ermittler größtenteils bei Ullrich & Co. Nur "knapp sieben Prozent" der 200 Millionen Mark, die beide Vereine von 1994 bis Frühjahr 1999 kassiert hätten, seien tatsächlich "für Tierschutz eingesetzt worden".


"In Wahrheit", so Staatsanwalt Alexander Kalomiris, "ging es Ullrich, Baumann und Lischka nicht um Tierschutz, sondern um das Abkassieren im eigenen Interesse." Den Mitgliedern habe Lischka bei Versammlungen "bewusst wahrheitswidrig" vorgetragen, fast 90 Prozent der Vereinseinnahmen würden "für den mittelbaren und unmittelbaren Tierschutz verwendet".


Ullrich nutzte die mutmaßlich privat für sich abgezweigten Millionen nach Einschätzung der Ermittler für sein Luxusleben in Pattaya. Als Indiz hierfür gilt, dass er sich allein von März 1998 bis März 1999 48 Millionen Mark von der Obwaldener Kantonalbank in der Schweiz zur Thai Farmers Bank überweisen ließ.


In der Sextouristen-Hochburg soll der geltungsbedürftige Bayer nicht nur am "Bavaria House", einem Lokal mit angeschlossenem Spielsalon, sondern auch an Go-go-Bars beteiligt gewesen sein. Eine von ihm errichtete, aber nicht fertig gestellte Senioren-Residenz für deutsche Auswanderer ("Baythai") hat die Staatsanwaltschaft München II mit Hilfe der Bangkoker Justiz beschlagnahmt. Geschätzter Wert: elf Millionen Mark.


Den thailändischen Behörden ist auch zu verdanken, dass das Münchner Verfahren überhaupt in Gang kam: Im Frühjahr 1998 erhielt das Bundeskriminalamt (BKA) eine Anfrage aus Bangkok, ob bei ihm Erkenntnisse über Ullrich vorlägen. Der werde in Thailand nämlich des Drogenhandels und der Geldwäsche verdächtigt (SPIEGEL 19/1999). Als das BKA daraufhin in Bayern nachfragte, begann die Dienststelle für Organisierte Kriminalität des Polizeipräsidiums Schwaben mit ihren Ermittlungen.


Die Thailänder nahmen Ullrich, der in Deutschland wegen Steuerhinterziehung vorbestraft ist, im September 1998 in Haft. Er wurde zur "unerwünschten Person" erklärt und vor sechseinhalb Wochen nach München abgeschoben.


Seitdem sitzt Ullrich ­ wie Baumann und Lischka ­ in Bayern in Untersuchungshaft. Zu den Anschuldigungen der Ermittler hat er seit der Auslieferung geschwiegen. Sein Anwalt Daniel Amelung wirft der Justiz vor, den Prozess so kurzfristig terminiert zu haben, dass ihm nicht genug Zeit zur Vorbereitung geblieben sei. Vergangenen Freitag legte er das Mandat nieder. Lischkas Verteidiger Steffen Ufer macht geltend, sein Mandant habe "keinen Anteil an der Beute bekommen". Lischka habe nur die üblichen Honorare als Steuerberater kassiert.


Baumanns Anwalt Burkhard Immel hält "das gesamte Konstrukt der Staatsanwaltschaft" für "nicht haltbar". Sein Mandant habe sich weder der Untreue noch des Betruges schuldig gemacht. Im Grunde gehe es um die Frage, "ob es für einen Verein mit einem üblicherweise karitativen Zweck verboten ist, Gewinne zu machen". Moralisch möge das Verhalten der Angeklagten zwar verwerflich sein. Doch seien die Mitglieder "nicht mit falschen Erklärungen über die Verwendung ihres Geldes geworben worden". Immel: "Deshalb können sie auch nicht betrogen worden sein."


Das DTHW, das infolge des Finanzskandals seit 1999 nach eigenen Angaben rund 40 000 Mitglieder verloren hat und diesen Schwund nun wieder mit Drückerkolonnen beheben will, sieht das ganz anders. Der Verein hat die Münchner Anwältin Evelyne Menges mit einer Zivilklage beauftragt. Nach Abschluss des Strafverfahrens soll sie die Millionen, um die sich das Trio bereichert habe, zurückholen.


Auch der Fiskus ist bei Ullrich bereits vorstellig geworden. Anfang des Jahres forderte ihn das Finanzamt Günzburg auf, 56 Millionen Mark Steuern nachzuzahlen ­ die in der Schweiz kassierten Gelder hatte Ullrich nie angegeben.


Einen kleinen Teil ihrer Forderung, gut eine drei Viertel Million Mark, haben die Finanzbeamten inzwischen eingetrieben. Bei der Versteigerung des Fuhrparks sorgte vor allem der Ferrari bei den Bietern für beschleunigten Herzschlag. Der F40, Spitze 350 Kilometer in der Stunde, ging ­ welch Schnäppchen ­ für 300 000 Mark weg.



Aus dem Focus Nr. 46 (2000):


Wenn Wolfgang Ullrich, Gründer und langjähriger Chef des Deutschen Tierhilfswerks (DTHW), gut drauf ist, kann er sogar ehrlich sein. Der wahre Zweck seines Tierschutz-Imperiums, so gestand Ullrich einem Vertrauten, sei es, „die Viechernarren kräftig abzuzocken“.


Das zynische Zitat bringt auf den Punkt, was die Ermittlungsgruppe Kempten des Polizeipräsidiums Schwaben gegen den 56-jährigen Tierschutz-Promoter für ihren 400 Seiten starken Abschlussbericht zusammengetragen hat. Ein Fahnder: „Ullrich war maßlos.“


Der Vorwurf gegen den früheren DTHW-Chef und die Clique seiner Helfer: Bildung einer „kriminellen Vereinigung“ und Veruntreuung in der Größenordnung von weit über 100 Millionen Mark. Ullrich soll mittels eines von ihm aufgebauten Firmennetzes rund 80 Prozent der Vereinsbeiträge dem Tierschutz entzogen und großteils für sich abgezweigt haben. Falls sich die Ermittlungsergebnisse (AZ: 65 Js 11026/99) vor Gericht bestätigen, würde der Fall Ullrich-DTHW zum bislang größten deutschen Betrugsskandal in einer karitativen Organisation. Die Zahl der Geschädigten: etwa 500 000.


Zum Leidwesen der Staatsanwaltschaft München II ist der Hauptbeschuldigte derzeit nicht greifbar. Seit September 1998 sitzt Ullrich in seiner Zweitheimat Thailand im Gefängnis. Anfangs wegen Steuer- und Zollvergehen, seit Mitte Dezember 1999 in Auslieferungshaft.


Der Multi-Unternehmer aus Ziemetshausen bei Augsburg hatte sich, parallel zu seinen deutschen Aktivitäten, im Rentner- und Rotlicht-Paradies von Pattaya ein Gastronomie- und Immobilienimperium geschaffen. Die erforderlichen Gelder stammten aus Mitgliedsbeiträgen des Tierhilfswerks. Bislang nachweisbar sind Überweisungen nach Fernost in Höhe von 21 Millionen Mark, doch es muss weitere Zahlungen gegeben haben.


Die Aufarbeitung des DTHW-Skandals beginnt nun mit dem Prozess gegen Ullrichs Generalbevollmächtigten Eduard Wilfried Baumann, 52. Der Schweizer Staatsbürger muss sich ab dem 27. November vor der Großen Strafkammer des Landgerichts München II verantworten. Baumann war Chef der Firma Chartex in dem Schweizer Ort Hergiswil. Er soll die Geldströme vom Tierhilfswerk durch ein Labyrinth von Firmen dirigiert und letztlich auf Ullrichs Konten geleitet haben. Baumann, vorbestraft unter anderem wegen Totschlags und Betrugs, kassierte dabei selbst zehn Prozent. Seine Verhaftung am 8. März 1999 in der Münchner Zentrale des DTHW war Folge eines FOCUS-Berichts (10/99) über den Fall Ullrich, der die Ermittler zum sofortigen Zugriff zwang. In einer Großaktion, gemeinsam mit Schweizer Behörden, wurden am gleichen Tag zahlreiche Geschäftsräume und Wohnungen von Firmen und Personen aus Ullrichs Umfeld durchsucht. In den folgenden Wochen gab es weitere Haftbefehle: Der langjährige Steuerberater des DTHW, Ullrichs Buchhalterin sowie eine weitere mutmaßliche Mittäterin mussten ins Gefängnis, kamen jedoch später mit Auflagen wieder frei. Nur Baumann sitzt noch immer.


Im Verhör gab sich Ullrichs Handlanger anfangs bockig. Er räumte lediglich ein, das Tierhilfswerk sei „beschissen worden“ und er selbst habe zu diesem Zweck Rechnungen gefälscht. Erst nach einem halben Jahr U-Haft geriet der Schweizer ins Plaudern. Zur Freude der Ermittler zeigte er sich nun „kooperativ und vermittelte den Sachverhalt schlüssig“. So kam endlich Licht in das obskure System Ullrich.


Das Tierhilfswerk war offenbar eine einzige gigantische Geldbeschaffungsmaschine. Die Mitleidsgroschen für verstoßene Hunde und Katzen, für gequälte Bären und bedrohte Wale – so stellten die Ermittler fest – summierten sich im Zeitraum von 1994 bis 1998 auf über 148 Millionen Mark.


Wie Ullrich mit dem Geld der Tierfreunde wirtschaftete, zeigt das Beispiel des Jahres 1998: Von 35 Millionen Mark Mitgliedsbeiträgen flossen gerade mal zwei Millionen in den Tierschutz. Fast zur gleichen Zeit, zwischen März 1998 und Februar 1999, ließ sich Ullrich von Baumann rund 18 Millionen auf Schweizer Konten überweisen.


Drehscheibe für den Geldverkehr war die Firma Chartex AG. In diesem Ein-Mann-Unternehmen verschob Baumann Monat für Monat Millionenbeträge nach folgendem Plan:


Das von Ullrich gegründete Deutsche Tierhilfswerk und der Schwesterverein Europäisches Tierhilfswerk ETHW übertrugen wichtige Aufgaben auf die Chartex AG (Alleinaktionär Ullrich). Für die Werbung und Betreuung der Mitglieder und die Herstellung der Verbandszeitschrift „Mensch & Tier“ zog das Schweizer Büro den größten Teil der Beiträge der beiden Vereine ein. Die Chartex leistete die übertragenen Aufgaben jedoch nicht selbst, sondern delegierte sie an deutsche Firmen weiter, die ebenfalls Ullrich gehörten.


So kümmerte sich die Mitgliederwerbung und Öffentlichkeitsarbeit GmbH in Ziemetshausen um die Gewinnung zahlungswilliger Tierfreunde. In ihrem Auftrag stellten freie Werbeunternehmer Stände auf und verteilten Infomaterial, z. B. über skandalöse Schlachtviehtransporte oder kranke Hühner in Legebatterien. Zur Unterstützung des Kampfs gegen vielfältiges Tierleid erbettelten die Werber gleich vor Ort oder bei Besuchen an der Haustür den Beitritt zu einem der Tierhilfswerke. Die Jahresbeiträge lagen zuletzt zwischen 100 und 300 Mark.


Kaum einer der angeheuerten „Viechernarren“ hätte unterschrieben, wäre bekannt gewesen, was der verhaftete Baumann den Ermittlern inzwischen gestand: 49,5 Prozent vom ersten Jahresbeitrag und 36,5 Prozent aller Folgebeiträge flossen sofort in die Schweiz. Dazu kamen künstlich aufgeblähte Verwaltungskosten der Ullrich-Firma Orga und obendrauf noch eine „Lizenzgebühr“ von 13 Prozent für den Abzocker Ullrich höchstpersönlich. Allein für das ETHW errechneten die Ermittler eine Belastung von mehr als 80 Prozent für die Werbung und Verwaltung.


Zu den Nutznießern der Tierhilfsvereine zählte neben Ullrich und Baumann auch Ullrichs ehemalige Lebensgefährtin Jenny B. Die 42-jährige Geschäftsfrau saß zeitweise im Vorstand des DTHW, Ullrich bestimmte sie im Fall seines Todes zu seiner Nachfolgerin. Jenny B.s Herrschaftsbereich war die Redaktion des vierteljährlich erscheinenden Magazins „Mensch & Tier“. Dafür bezog sie in vier Jahren von der Chartex rund zwei Millionen Mark.


Noch einträglicher erwies sich ein Tiersuchregister namens Argus, das Jenny B. zusammen mit Ullrich für den DTHW betrieb. In einem Computer konnten Haustierbesitzer Steckbriefe ihrer Lieblinge speichern lassen. Obwohl das System von den Mitgliedern kaum nachgefragt und nach Aussage von Zeugen nur mit „geringem Arbeitsaufwand“ betrieben wurde, brachte es monatlich 84 000 Mark ein.


Nach dem Zusammenbruch des großen Selbstbedienungsladens stehen die Ermittler nun vor dem Problem: Sie müssen Ullrich und seiner Clique nachweisen, dass ihre Art, die Tierhilfswerke auszubeuten, betrügerisch war – und nicht nur geschickte Nutzung wirtschaftlicher Möglichkeiten in Vereinen, die ohnehin nicht als gemeinnützig anerkannt waren. In einem Brief aus der Haft beruft sich Ullrich auf ein Geflecht von Verträgen, in denen alles geregelt worden sei.


In ihrer Beweisnot befragten die Ermittler in einer kleinen Stichprobe 605 Mitglieder des DTHW, ob sie auch in Kenntnis der wahren Verhältnisse dem Verein beigetreten wären. Von den 427 Antworten, die eingingen, waren 413 negativ. Das heißt wohl: 97 Prozent der Mitglieder fühlen sich vom Ullrich-System betrogen.


Schadlos hält sich dagegen der freie Werbeunternehmer L., der viele Jahre mit den Tierhilfswerken dick im Geschäft war. Als der nach dem Eklat vom Amtsgericht Günzburg eingesetzte DTHW-Notvorstand die Werbeverträge mit Ullrich-Partnern kündigte, gründete Drücker-Boss L. flugs einen eigenen Verein. Er heißt Bund Deutscher Tierfreunde.

Deutsches Tierhilfswerk / Europäisches Tierhilfswerk

Gebrauchsanleitung zum Betrug aus den Jahren 1998 bis 2002


Anscheinend hat sich die Masche bis Heute nicht groß geändert.


Der Skandal hinter dem Skandal: der Gesetzgeber streicht 2008 das Sammlungsgesetz.

Damit wird es noch leichter für die Schwarzen Schafe der Branche:


Arche 2000


Deutsche Gesellschaft Tiere und Natur


Bund Deutscher Tierfreunde (BDT) wurde vom ehemaligen Drückerchef des DTHW gegründet


Offenbar haben wir, die Macher dieser Seite in ein Wespennest gestochen. Es gibt wohl Dutzende unseriöser Vereine die die Mitglieds-Beiträge ahnungsloser Mitglieder zur persönlichen Bereicherung missbrauchen.


Die von uns eruierten Fälle sind leider nur die Spitze des Eisbergs. Daß allerdings ein Verein seit 18 Jahren ungehindert sein Unwesen treiben kann, ist sicher Beispiellos.



Die Liste wird von uns  permanent gepflegt und erweitert. Um Hinweise wird gebeten.


Hier zur Ergänzung noch einige PDF-Daten:

AnfangWelcome.html
WeiterKiN_TuN.html